Von Radio-Generalisten zu Audio-Spezialisten

 

„2028: AI und Tech-Giganten bestimmen den Audiomarkt. Nur die experimentierfreudigsten & innovativsten Radiostationen aus dem Jahr 2018 leben noch.“ Diese düstere Zukunftsvision stand als These beim Audiogipfel der Medientage München im Raum. Vermutlich stark zugespitzt, aber auch nicht völlig abwegig. Klar dürfte sein, dass eine kluge Digitalstrategie für Radiostationen langfristig überlebensnotwendig ist. Die Sender werden eine klar erkennbare Audio-Kernmarke herausarbeiten müssen, um in einer immer vielfältigeren Audiolandschaft von Streams, Podcasts und Smartspeakern noch durchzudringen. Sie müssen sich dabei von Radio-Generalisten zu profilierten Audio-Spezialisten wandeln.

Über 50.000 Skills weltweit

 

Über 50.000 Alexa-Skills gibt es inzwischen auf der Welt. Und das, obwohl die Entwicklung auf dem Smartspeaker-Markt erst ganz am Anfang steht. Für die Hörer ist das jetzt schon nicht mehr zu überblicken. Das zentrale Problem für Audio-Inhalteanbieter wird deshalb künftig Auffindbarkeit und Relevanz sein.  Lösbar ist das nur, indem sich die Sender ganz auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren und die in den Mittelpunkt ihrer digitalen Audio-Aktivitäten stellen.


 

„Alexa, spiele die Nachrichten!“, „Alexa, wie wird das Wetter morgen?“ – für diese häufig gestellten - allgemeinen - Anfragen hätten zwar die meisten Radiosender traditionell - allgemeine - Angebote. Im Kampf um die Pole-Position bei Alexa & Co werden aber langfristig nur einige wenige Player dieses Rennen machen. Für alle anderen ist es sinnvoller, sich auf spezifische Angebote zu konzentrieren: „Alexa, was ist heute in Buxtehude passiert?“, „Alexa, wie hat der FC Hausham am Samstag gespielt?“, „Alexa, welche Zutaten brauche ich für Königsberger Klopse?“ Regionale oder thematische Spezialisierungen bieten die Chance für Alleinstellungsmerkmale in einem immer segmentierteren Markt.

 

Spezialthemen besetzen - und promoten

 

Ziel muss es sein, die jeweilige Nische mit meiner Marke zu besetzen. Und das kann in einer globalisierten Audio-Welt durchaus eine große Nische sein. Wer hier eine bestimmte Frage an seinen Smartspeaker stellt, sollte zuerst an mein Angebot denken. Dafür ist eine gezielte Promotion nötig. Nicht mehr der bisher oft beworbene „Beste Mix“ steht im Mittelpunkt, sondern beispielsweise „Die besten Sportnachrichten aus Baden-Württemberg“ oder "Das Neueste aus der Cosplay-Szene" – vorausgesetzt natürlich, es steht dann auch ein umfangreiches, aktuelles Angebot entsprechender Nachrichten zum Abruf bereit.

 

Noch häufiger dürfte diese Verknüpfung künftig Algorithmen-gestützt passieren. Amazon bietet dafür etwa ein neues Feature namens Can Fulfill Intent Request. Anbieter können innerhalb des Tools beschreiben, welches Problem ihr Skill löst. Bei einer Alexa-Anfrage verweist Amazon automatisch auf den Skill, der die besten Erfolgsaussichten verspricht - unabhängig davon, ob der User ihn namentlich aufruft. Das ermöglicht in einem spezialisierten Markt eine Positionierung lediglich durch ein Plattform-und Zielgruppen-genau gestaltetes Angebot. Die Möglichkeiten, Fremdanbieter-Skills (Third-Party-Skills) etwa von Radiostationen über Smartspeaker-Algorithmen anzusteuern, dürften getrieben von der Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz noch deutlich zunehmen.

 

Die Umstellung von einem analogen, linearen Radioprogramm auf ein digitales, On-Demand-Angebot wird viele Radiosender vor große Herausforderungen stellen - vor allem, weil beide Angebote wohl noch über Jahre parallel vorgehalten werden müssen. Allerdings wird es dazu kaum Alternativen geben. Ansonsten könnte die oben zitierte Zukunftsvision tatsächlich wahr werden und der Audiomarkt sich bis 2028 deutlich lichten. Also lasst uns innovativ sein und experimentieren!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0